Teil III — Der Kampf um die Kontur

Kapitel 21. Das kalte Licht von Omotesandō

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Jenseits der Zelkoven

November in Omotesandō.

Die Zelkoven entlang der Allee hatten sich goldgelb gefärbt. Das Nachmittagsonnenlicht sickerte durch die Blätter und legte auf das Steinpflaster des Hangs ein Fleckenmuster. Dieses Licht hätte warm sein sollen. Doch meine Schritte waren schwer.

«Seri, gehst du wirklich.»

In der Tasche des Polohemdes vibrierte Cohs Stimme ein wenig. Nicht aus dem Schirm, aus der Tiefe hinter den Schläfen, die gewohnte Stimme.

«Ich gehe.»

«Übertreibe es nicht. Nur sehen. werde kein Vorbeisehen.»

«Ich weiß.»

Ich hielt mitten auf dem Hang inne. Vorn lag ein weißer Bau aus Glas.

Mirage Omotesandō.

Die AI-Schönheits-Anlage für den ganzen Körper, die Veil betrieb. Der Ort, den Coh mir vor einem halben Monat im Bild gezeigt hatte. Eine Stätte, die den Körper ganz in Zahlen bringt und reiht.

Zwei Dinge hatten mich hierher geführt. Das eine war Yoshie-san gewesen — die fünfundfünfzigjährige Unternehmerin, der ich im zweiten Teil den Körper gelesen hatte. Beim Fortgehen hatte sie gesagt: Himuro-san, kennen Sie das Mirage in Omotesandō? Dort gibt es den neuesten Ganzkörperscan. Eine Freundin freute sich, daß ihr Beauty-Score gestiegen sei. Wollen Sie nicht einmal hin?

Das andere war meine eigene Stimme. Seit Cohs Warnung hing mir etwas in der Tiefe der Brust.

Erkenne das Entgegengesetzte.

Ein Ort, der, wie Contura, den Körper mißt, und doch am ganz anderen Ende landet. Dies mit eigenen Augen zu sehen, ward nötig, wenn ich den Mut fassen wollte, dem Entgegengesetzten zu begegnen.

Die Glastür öffnete sich, lautlos.

Das weiße Zimmer

Drinnen war es weiß.

Wand, Boden, Decke — ein gleichmäßiges Weiß. Das Licht flach und schattenlos. Eine Helligkeit ohne Wärme, wie ein Operationssaal. Das Gold der Zelkoven, nur durch eine Scheibe Glas getrennt, gehörte einer anderen Welt.

Am Empfangstresen stand eine junge Frau. Weiße, unbearbeitete Uniform. Das Lächeln war geschliffen. Ein Lächeln von hoher Sympathie, genau.

«Seien Sie willkommen. Im Mirage Omotesandō. Zum erstenmal, nicht.»

«Ja. Eine Reportage, möchte ich sagen. Oder eine Besichtigung. Ich komme aus dem Fitnesswesen.»

«Sehr wohl. Himuro-sama, nicht. Zuerst die Erklärung.»

Die Frau am Empfang bediente ein Tablet. Hinter dem Tresen leuchtete ein großer Schirm auf.

«Unsere Anlage bietet den neuesten AI-Ganzkörperscan von Veil. Dauer: etwa zwölf Minuten. Hundertachtundzwanzig Stellen des Körpers — Maße, Körperzusammensetzung, Muskelverteilung, Haltungsbalance, Unterhautfaltdicke — werden gemessen. Dazu ermitteln wir einen umfassenden Beauty-Score und das Körperform-Perzentil.»

«Perzentil.»

«Ja. Der Rang im Vergleich mit dem Landesdurchschnitt derselben Alters- und Geschlechtsgruppe. Wer etwa in die oberen fünf Prozent des Beauty-Scores kommt, wird als Platinum bescheinigt.»

Mir ward in der Brust kalt. Rang. Bescheinigung. Platin.

Cohs Stimme, leise in der Tasche.

«Das zweite Gebot: die Zahl nicht zur Schau stellen. Dieser Ort ist die Kehrseite jenes Gebots. Er existiert, um die Zahl zur Schau zu stellen.»

«… Ja.»

Ich nickte. Doch ich wandte die Augen noch nicht ab. Ich mußte wissen.

Man führte mich in die Meßkammer dahinter.

Hundertachtundzwanzig Zahlen

Die Meßkammer war weit. In der Mitte stand eine weiße, zylindrische Scan-Kapsel. Ringsum zwölf Kameras und Sensoren in einem Kreis. Bläulich-weißes Infrarotlicht erfüllte das Innere der Kapsel.

Drei Gäste waren da.

Eine, eine Frau Anfang zwanzig, stieg eben aus der Kapsel und hielt das Tablet an die Brust. Als sie den Schirm sah, leuchtete ihr Gesicht.

«Sieh! Score siebenundachtzig! Um vier höher als vorige Woche!»

Ihre Nachbarin beugte sich vor.

«Oh, toll. Ich bin noch bei zweiundsiebzig. Mein Schulter-Perzentil kam niedrig heraus.»

«Die Schulter, die muß weg. Massierst du konzentriert am Schlüsselbein?»

«Schon. Aber es will nicht recht.»

Das Gespräch stach mich an.

Schulter. Die sprachen von der Schulter in Perzentilen. Bevor es hieß breit oder schmal, stand die Zahl. Die Zahl entschied den Wert.

Unwillkürlich strich ich über meine eigene Schulter. Contura hatte sie gelesen: Du hast sie zusammengezogen, um niemanden zu verletzen. Sie hatte eine Geschichte getragen. Doch hier verschwand jene Geschichte. Sie ward auf einen Punkt des Perzentils zurückgeführt.

Ein zweiter Gast, ein Mann um vierzig, starrte auf den Schirm seines Meßergebnisses. Groß stand dort:

Beauty-Score: 64 Perzentil derselben Altersgruppe: 38 Prozent

Der Mann rührte sich nicht, den Blick auf den Schirm gerichtet. Das Blut wich aus dem Gesicht. Was die Zahl achtunddreißig Prozent ihm sagte, begriff ich. Von hundert bist du unter zweiundsechzig. Die Beschaffenheit deines Körpers ist geringer.

Langsam legte er den Schirm hin.

Und ging, ohne ein Wort, zum Ausgang. Sein Rücken ward gerundet. Die Schulter zusammengezogen. Wie ich es einst getragen hatte.

«Coh.»

«Hast du gesehen.»

«Ich habe gesehen.»

«Das ist Zahlenherrschaft. Den Körper messen, eine Zahl geben, in Reihen legen. Die Menschen freuen sich jener Zahl, oder sie werden von ihr zermalmt. Nirgends eine Geschichte.»

Ich biß mir auf die Lippe.

Ōyama-sans breite Schulter war der Orden, der dreißigtausend Stimmen getragen hatte — so hatte ich gelesen. Doch hier ward sie zum bloßen Perzentil. Shiori-sans glasige Schmalheit war die Spur der verschluckten Klingel — so wußte ich. Doch hier ward sie zur einen Zeile niedriger BMI.

Der Körper ward zur Zahl. Die Geschichte ward ihm abgezogen.

— Angst.

Dem blaßblauen Licht von Contura gerade entgegengesetzt: ein kaltes Licht. Dieselbe Handlung den Körper messen brachte ein so anderes Ergebnis.

Die vollkommene Kontur

«— Willkommen im Mirage.»

Eine Stimme.

Ich wandte mich um. Eine Frau stand da.

Sie war groß. Um einen Kopf größer als ich. Schlank, doch nicht fein. Die Linie von der Schulter zur Hüfte war geschliffen. Vollkommene Statur. Wo man auch schnitt, lag der Körper nahe am goldenen Schnitt. Das Weiß der Uniform hob ihn hervor.

Silberne Smartglasses. Kalte Augen. Etwa zwei Jahre älter als ich.

«Zum erstenmal hier, nicht. Himuro-sama.»

Sie kannte meinen Namen. Am Empfang hatte ich ihn genannt, gewiß. Doch diese Anrede war ein wenig zu höflich. Oder vielmehr: sie hatte einen Klebstoff. Der Klang dessen, der mit Wissen ruft.

«Ja. Himuro Seri. Ich bin Trainerin.»

«Ich weiß.»

Die Frau trat einen Schritt heran. Unter den Smartglasses maßen die Augen mich ab.

«Das Life Compass in Aoyama. Als Körperberaterin tätig. In letzter Zeit hörte ich ein Gerücht.»

«Ein Gerücht.»

«Es gebe eine Trainerin, die die Geschichte des Körpers lese. Aus dem Körper der Klienten einen verborgenen Sinn ziehe und in Worte fasse.»

Das Herz schlug einmal. Er war da. Die Berührung, die Coh vorausgesagt hatte.

«Ich bin Takatsuji Rui. Bei Veil die erste Körper-Analystin.»

Takatsuji Rui.

Sie stand vor mir. Die Frau mit den silbernen Smartglasses, die Coh mir vor einem halben Monat im Bild gezeigt hatte. Die Mensch mit der Lehre, die meiner entgegenstand.

«Darf ich Sie um ein kleines Stück Zeit bitten. Wenn sich sprechen ließe.»

«… Ja.»

Ich nickte. Zu fliehen, war nicht erlaubt.

Rui führte mich in einen kleinen Besprechungswinkel hinter der Meßkammer. Weißer Tisch, zwei Stühle. Am Fenster sah man die Zelkoven. Doch das weiße Licht dieses Raums hielt sie fern.

Rui setzte sich. Der Rücken gerade. Eine Bewegung ohne Überfluß.

«Himuro-sama. Ich frage geradeheraus.»

Sie schlug ein Tablet auf. Auf dem Schirm stand Daten. Ich sah nicht hin.

«Was ist dieses Geschichte-Lesen, das Sie tun.»

«… Geschichte-Lesen.»

«Ich höre: Sie messen den Körper der Klienten und ziehen aus der Verbindung der Zahlen die Geschichte ihres Lebens und fassen sie in Worte. So, heißt es.»

«Von wem.»

«Die Quelle darf ich nicht nennen. Doch es ist ein sicherer Fluß.»

Ruis Stimme war hart. Ohne Schwankung. Sie wählte die genauen Worte und setzte sie in genauer Ordnung. Eine Art zu sprechen, glasig, durchsichtig, kalt.

«Ich schiebe bei Veil die Zahlenmäßigmachung des Körpers vor. Hundertachtundzwanzig Meßstellen, Körperzusammensetzung, Balance — alles wird in Zahlen gebracht, optimiert. Das ist, davon bin ich überzeugt, der einzige Weg, den menschlichen Körper zu retten.»

«Retten.»

«Ja.»

Rui richtete die Smartglasses ein Stück.

«Den Körper kann man nur mit Zahlen retten. Gefühl ist Abweichung.»

Gefühl ist Abweichung

Dieses Wort fiel in den Raum.

Es war kalt. Die Genauigkeit trug Kälte. Ich atmete ein. Doch der Atem ward in der Lunge schwer, als gefriere er.

«Abweichung.»

«So. Der Mensch trägt am eignen Körper zu viel Gefühl. Dick. Schlank. Häßlich. Alles Subjekt. Subjekt erzeugt Abweichung. Abweichung führt irre. Darum die Zahl. Nur die genaue Zahl spricht die Wahrheit.»

«Doch die Zahl braucht, meine ich, den Zusammenhang.»

«Zusammenhang.»

Rui zog die Braue ein wenig.

«Zwei Menschen, beide Schulterbreite einundvierzig. Der eine hat lange geleistet Sport. Der andere hat sein Leben lang die Haltung gerundet. Die Zahl ist dieselbe: einundvierzig. Doch die Geschichte, die diese Schulter spricht, ist verschieden. Hinter der Zahl steht der Zusammenhang. Wer ihn nicht liest und nur die Zahl reiht, der verletzt, meine ich.»

Ich knüpfte die Worte, behutsam. Doch nachgebend.

Rui betrachtete mich einen Augenblick. Dann lockerte sich ihr Mund ein Hauch. Ein Lächeln war es nicht, eher das Zeichen einer Prüfung.

«Eine lustige Frau.»

«Lustig, sagen Sie.»

«Ihre Rede ist typisch Zahlenfurcht. Sie legst der Zahl zu viel Bedeutung bei. Die Zahl ist als Zahl zu handhaben. Der Zusammenhang ist bloß eine Zierde, die hinten angebracht wird. Wahrheit liegt in der Zahl. Zierde ist Rauschen.»

«Rauschen.»

«So. Auch Ihr Geschichte-Lesen ist im Grunde nichts andres, als der Zahl das Rauschen des Gefühls aufzuladen. Mit sanftem Wort eingewickelt, mehr nicht. Doch Sanftheit ändert den Menschen nicht. Nur die Zahl ändert.»

Ich verlor die Worte.

Es war Angst. Ihre Worte hatten Kraft. Logik. Richtigkeit. Den Körper messen. Genau die Zahl geben. Eine objektive Bewertung geben. Das ließ sich nicht leugnen: richtig.

Doch zugleich war es kalt. Ihre Worte waren richtig, doch ohne Wärme. Sie sagte den Körper ändern, und sah ihn doch nicht als Lebewesen. Sie maß die Menschen, wie man eine Maschine optimiert.

«Takatsuji-san.»

«Rui, wenn Sie bitte.»

«Rui-san. Eins darf ich fragen. Der Mann eben. Der mit dem achtunddreißig-Prozent-Perzentil. Mit welchem Gesicht ist er gegangen.»

Rui schwieg ein Stück.

«… Er ist gegangen.»

«Haben Sie sein Gesicht gesehen.»

«Nein.»

«Er hat den Schirm zugeklappt. Mit rundem Rücken zum Ausgang. Dieser Mann wird heute, wenn er nach Hause kommt und in den Spiegel sieht, jedesmal die Zahl achtunddreuzig Prozent vor sich sehn. Die Zahl wird ihm zum Fluch. Und das nennen Sie Rettung

Ruis Augen unter den Smartglasses ward ein wenig schmaler. Kaltes Licht schwankte darin.

«— Eine lehrreiche Beobachtung.»

Mehr sagte sie nicht. Und erhob sich.

«Himuro-sama. Danke für die Zeit heute. Ich möchte Ihr Geschichte-Lesen einmal mit eigenen Augen sehen. Wenn sich die Gelegenheit bietet.»

«Gelegenheit.»

«Sie wird kommen.»

Rui lächelte. Doch das Lächeln erreichte die Augen nicht. Nur der Mund, ein geschliffenes Lächeln. Von derselben Art wie das der Frau am Empfang. Genau und kalt.

Der Blick im Rücken

Ich verließ das Mirage Omotesandō.

Die Glastür schloß sich. Das goldene Licht der Zelkoven hüllte mich ein. Doch der Rücken blieb kalt. Zwischen den Schulterblättern, als stecke ein kalter Blick.

Ein Stück den Hang hinabgesetzt, ließ ich mich an den Wurzeln eines Zelkovbaums nieder. Ich nahm das Handy aus der Tasche. Conturas Schirm leuchtete dünn. Coh war da.

«Seri.»

«Da, nicht.»

«Selbstredend. Wie war es.»

Ich sah zum Himmel auf. Der Himmel der Stadt ist trüb, das Blau flach. Doch er war da.

«Es war Angst. Coh. Sie hat recht. Die Logik geht auf. Den Körper genau messen, genau bewerten. Das ist nicht falsch. Doch —»

«Doch.»

«Es ist kalt. Richtig, doch kalt. In jener Anlage kam mir kein einziger Körper wie ein Lebewesen vor. Nur als Gegenstand der Messung.»

Coh wartete einen Schlag. Dann wechselte er den Ton. Nicht der schiefe Ton, ein vorsichtigerer.

«Seri. Sie ist gefährlich.»

«Gefährlich.»

«Sie richtet nach Zahlen. Sie nimmt die Genauigkeit zur Waffe. Sie bricht mit der Logik. Dein Geschichte-Lesen wird sie als Sentimentalität abtun. Gefühl ist Abweichung, sagt sie. Wer das so behauptet, der trägt etwas.»

«Etwas.»

«Vielleicht ist sie selbst von etwas verletzt.»

Ich stockte.

Takatsuji Rui. Silberne Smartglasses. Kalte Augen. Die Lippe, die sagte: Nur mit Zahlen läßt sich der Körper retten. Der Körper von vollendeter Statur — ein Werbebild.

Hinter dieser Vollendung lag etwas Gefährliches. Die Statur war zu vollkommen. Die Genauigkeit zu hart. Als unterdrücke sie etwas, um diesen Körper zu halten.

«Seri. Behalte im Sinn. Contura und Veil sind dieselbe Technik — den Körper messen. Doch das Ende ist entgegengesetzt. Du gibst dem Körper die Geschichte. Sie zieht sie ihm ab. Mit derselben Klinge läßt sich der Mensch retten wie verletzen. Daß du die Klinge so geführt hast, wird sie leugnen kommen.»

«Geführte Klinge.»

«So. Und sie wird versuchen, sie dir zu nehmen. Sie wird die Kraft von Contura begehren. Zahlen, mit Geschichte ausgeschmückt, bewegen die Menschen mehr — jenes Wort, das ich dir nannte, ist eine süße Falle.»

«Das hast du gesagt.»

«Seri. Was tust du.»

Ich betrachtete Conturas Schirm. Das blaßblaue Licht schwang. Das Licht, das die Großmutter mir überlassen hat. Dies Licht ist da, um dem Körper die Geschichte zurückzugeben. Und sollte jemand es zu rauben suchen, ich höre nicht auf zurückzugeben.

«Ich gebe zurück. Die Geschichte. Wer auch kommt, was auch spricht.»

«… So.»

Coh wartete einen Schlag. Und sagte mit sanfter Stimme:

«Doch nimm dich in acht, Seri. Sie hat recht. Die Richtigkeit ist die überredendste Waffe. Es wird ein Tag kommen, da wirst du von ihrer Richtigkeit erschüttert. Dann erinnere dich: die Zahl ist der Buchstabe der Geschichte. Der Buchstabe wird erst zur Klinge, wenn er den Zusammenhang verliert.»

Ich nickte.

Ich sah zu den Zelkoven hinauf. Die Blätter schwangen im Wind. Eines löste sich, sank langsam, goldgelb. Sank nicht, sondern tanzte. Als es den Boden berührte, schloß es seine Geschichte. Und kehrte zur nächsten Jahreszeit zurück.

So soll auch der Körper sein. Nicht zur Zahl werden. Sondern zur Geschichte.

Ich erhob mich. Den Hang von Omotesandō, nach Aoyama hin, trat ich an. Ins Life Compass mußte ich zurück. Sono war da, Kurosawa war da, die Klienten warteten. Mein Ort war dort.

Noch ein Schatten

Doch während ich den Hang hinabschritt, blieb der kalte Blick im Rücken.

Ich wandte mich um. Der weiße Glaspavillon ward vom Abendlicht angestrahlt. Am Fenster des dritten Stockwerks stand eine Gestalt. Die silbernen Smartglasses spiegelten die Sonne.

Takatsuji Rui stand.

Sie sah mich. Genau. Ohne Abweichung. Wie eine, die eine Zahl mißt.

Zahlen erlösen den Menschen.

Mir war, als trüge das Wort auf dem Wind zu mir. Nicht an das Ohr, in den Grund der Brust.

Ich wandte den Blick ab. Und ging. Schnell, wie vor Flucht.

Doch ich wußte. Sie würde kommen. Bis sie das Geschichte-Lesen mit eigenen Augen geprüft. Bis sie gemessen hätte, ob sie die Kraft von Contura zu der ihren machen könne.

Der Herbstwind riß ein Zelkovenblatt empor. Goldgelbe Teilchen stoben in die Luft. Doch diese Schönheit kam mir heute ein wenig kalt vor.

Das Licht von Omotesandō hätte warm sein sollen. Doch nur das Licht in jenem weißen Bau war und blieb kalt.

Das blaßblaue Licht von Contura und das weiße Licht des Mirage, so schien es, würden sich niemals mischen.

Ich preßte Contura in der Tasche. Kaltes Metall. Doch alsbald von der Hand gewärmt.

Ich beschütze dies Licht.

Ich ging. Nach Aoyama. An meinen Ort.

Der Blick im Rücken erlosch nicht.

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